Robert Rotifer schreibt in „profil“ über die Renaissance des Heavy Metal. Und da fängt das Elend leider schon an. Genausogut könnte man in der Metal-Fachzeitschrift „Rock Hard“ einen Artikel über eine Renaissance der klassischen Musik bringen.
Denn die sogenannte Renaissance des Heavy Metal ist höchstens eine Renaissance des Heavy Metal in einem Medium wie „profil“, das sich (und warum auch nicht) ansonsten hauptsächlich dem gepflegten Bobo-Indie-Pop-Rock verschreibt.
Schon der Bildtext zum Aufmacherfoto des Artikels lässt ahnen, dass man sich mit dem Thema etwas übernommen hat. Zu sehen sind drei Metallica-Mitglieder, von denen einzig Schlagzeuger Lars Ulrich auch richtig zugeordnet wurde. James Hetfield wird im Bildtext zu Kirk Hammett und Kirk Hammett heißt plötzlich Robert Trujillo (dieser ist am Bild wiederum gar nicht zu sehen).
Während des Interviews verspeist dann Metallica-Gitarrist Kirk Hammett – Schock! - keine rohe Schweinelende, sondern einen Salat, was Autor Rotifer so kommentiert:
„Einer der vermeintlich unverwundbaren Heroen des Heavy Metal bangt um seine schlanke Linie!“
Die „Bild“-Zeitung hätte vermutlich nicht unkreativer kommentiert – es ist einfach viel zu langweilig, dass Hammett schlicht und einfach Ovo-Lacto-Vegetarier ist … Recherche ist so passé.
Aber damit das Klischee nicht zu kurz kommt, wird zum Abschluss des Artikels wengstens ein Foto der Band „Motörhead“ abgedruckt (die im Text immerhin in zwei Sätzen vorkommen).
Für den Bildtext musste dann ein echter Renner her, der dem „profil“-Leser nochmals die Essenz des Heavy Metal (according to „profil“) näherbringt:
Lesen sie nächste Woche in „Rock Hard“: „Franz Welser Möst – bebrillter Blick, bebrillter Mann“!
Schlagworte: heavy metal, metallica, motörhead, profil, robert rotifer

September 8, 2008 um 11:12
Lieber Gimmestitches,
Ich verstehe die Kritik. Leider bin ich weder für die Bildunterschrift zuständig noch für den Untertitel. Mein Untertitel hieß:
‘Metallica sind nicht die einzige alte Heavy Metal-Band aus der Zeit des Kalten Kriegs, die eine Renaissance feiert – als Vorbilder einer neuen Generation von Plastikgitarrenhelden.’
Vielleicht trifft das den Kern eher?
Die andere Textpassage ging so:
‘Es hat schon was, einen der vermeintlich unverwundbaren Heroen des Heavy Metal beim Bangen um seine schlanke Linie zu beobachten. Andererseits gehört der gelegentliche Bruch machistischer Rocker-Klischees spätestens seit dem preisgekrönten Film „Some Kind of Monster“ mit zum paradoxen Mythenkatalog rund um Metallica.’
Bildunterschriften sowie Umformulierungen sind Redaktionssache und unterliegen nicht dem Einfluss des Autors.
Ansonsten: Metal ist in meinen häretischen Augen ein Pop-Genre und daher nicht nur in Spezialmedien, sondern überall ein Thema. Es sollte eigentlich eine gute Sache sein, dass in Profil nicht nur über sogenannte E-Musik berichtet wird. Ich hoffe, der Rest des Artikels war okay und verweise auf das reine Interview, das aller Voraussicht nach im nächsten TBA veröffentlicht wird.
Besten Gruß, Robert
September 9, 2008 um 10:10
[...] Heavy Metal für Dummies Robert Rotifer hat netterweise einen Kommentar zu “Heavy Metal für Dummies” abgegeben. Vielen Dank [...]